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Ein total erfundene Geschichte ...

Ein junger Hund kommt ins Haus, alle sind sofort verliebt, alle wollen ihn herzen. Was für ein fröhlicher kleiner Kerl und immer guter Laune. Er spielt und springt, er ist der Inbegriff von Fröhlichkeit und Gesundheit. Was für eine Freude.

 

Sind Sie ganz sicher, dass er gesund ist? Sie sollten besser mal eine Vorsorgeuntersuchung durchführen lassen. Sie können das doch gar nicht beurteilen. Ihre eigene Erfahrung ist da wenig wert. Ob ihr Hund wirklich gesund ist, kann nur der Tierarzt oder die Tierärztin beurteilen. Das sind die Fachleute, Sie nicht.

 

Verunsichert? Ja! Vielleicht haben Sie noch gelesen, dass Sie von einer großen Futtermittelfirma für so eine vorsorgliche Untersuchung einen Gutschein geschenkt bekommen. Warum also nicht hingehen. Schaden kann es ja nicht. Und fürsorglich wollen Sie ja sein.

 

Vielleicht wird man Ihnen nun als erstes erklären, dass Sie ein ganz bestimmtes Futter füttern müssen, weil sonst ihr Hund über kurz oder lang ganz sicher krank werden wird, denn bisher haben sie ihren Hund falsch ernährt. Nur in diesem speziellen Futter, einem extrudierten Alleinfutter, ist wirklich alles enthalten, was er braucht, nach dem neuesten Stand der Wissenschaft. Vielleicht ist das gerade ein Futter von der Firma, die ihnen den Gutschein geschenkt hat. Was es doch für Zufälle gibt?!


Nun, bei solcher veterinärmedizinischen Autorität wagen Sie nicht zu widersprechen. Auch ist ja die Untersuchung kostenlos. Da schämt man sich doch, nein zu sagen. Und es ist ja sicher auch ein gutes Futter, was sie da bekommen. Bei so einem Preis kann es ja nicht anders sein.

Wenn Sie Glück haben, war es das. Wenn Sie Pech haben, kann es auch so laufen:
„Wann haben Sie den Hund zuletzt entwurmt? Junge Hunde haben immer Spulwürmer. Ja, wissen Sie denn nicht, dass der Hund alle vier Wochen entwurmt werden muss, schon wegen der Gefahr für die Kinder? Und wie ist das mit den Impfungen? Wurde er schon gegen Tollwut geimpft? Nein. Sie müssen sich schon etwas verantwortungsvoller verhalten.“

 

Jetzt haben Sie’s. Das ist ihnen so richtig auf den Magen geschlagen. Sie schämen sich und haben ein ganz schlechtes Gewissen. Aber nun wird ja alles besser. Also los!
Zuerst wird geimpft, dann kriegen Sie Tabletten zum Entwurmen. Vorsichtshalber wird noch ein Kotabstrich gemacht. Man kann ja nie wissen.

 

Ihr geliebter Kleiner erlebt eine Horrornacht und sie infolge dessen auch. Sie hätten nie gedacht, was da alles herauskommen kann aus so einem kleinen Tier und ununterbrochen.
Er würgt und kotzt und hat flüssigen Durchfall, es tut ihnen in der Seele weh. Würmer, speziell Spulwürmer, haben sie keine gesehen, aber was soll’s, Vorsorge ist richtig und da muss er jetzt durch. Ein paar Zweifel haben sich bei ihnen aber doch eingeschlichen, deshalb gehen sie am nächsten Tag wieder in die Praxis und berichten. Da bekommen sie gesagt, das sei völlig normal, und sie könnten daran erkennen, wie wichtig diese Kur gewesen sei.
Aber man habe da noch eine wichtige Nachricht. Inzwischen habe man den Kotabstrich von gestern untersucht und festgestellt, dass ihr Hund mit Giardien infiziert sei. Oh!
Ihre Achtung steigt, das sind Kapazitäten, sie hätten ja nie vermutet, in welcher Gefahr ihr Kleiner schwebt. Aber nun wird ja alles besser.
Sie haben jetzt das richtige Futter und die Kuren gegen Würmer und Giardien. Also nun ran an die Feinde.

 

Sie sind ein verantwortungsbewusster Mensch und halten sich genau an die Vorschriften. Ihrem Kleinen geht es von Tag zu Tag immer dreckiger. Er hat ständig Durchfall, er würgt immer wieder, er schaut nur noch traurig und liegt verstört auf seinem Kissen. Bald fängt er auch noch an, sich zu kratzen und an den Pfoten zu nagen. Es bilden sich erste offene Stellen. Er tut ihnen soo leid. Deshalb: Ab in die Klinik. Sie lassen sich einen Termin geben, und man bittet darum, eine Kotprobe mitzubringen.

 

„Tja, ihr Hund ist wohl allergisch. Das kommt jetzt immer häufiger vor. Wir sollten sofort einen Allergietest durchführen, damit wir genau wissen, was er fressen darf und was nicht. Vorsichtshalber gebe ich ihm mal eine Spritze, dann hört der Juckreiz sofort auf.“
Egal, sie lieben ihn ja, der Test wird gemacht. Die 300 Euro ist er ihnen wert.
Und was für ein Wunder. Es hat gestimmt, der Juckreiz war schon nach wenigen Stunden weg. Phantastisch. Toller Arzt. Da ist man richtig gut aufgehoben.

 

Das Ergebnis des Allergietests nach einigen Tagen: Er reagiert auf fast alles allergisch, überall Kreuzchen, kaum zu glauben. Leider darf er auch das teure Futter nicht mehr fressen, er braucht jetzt unbedingt ein anderes, ein Diätfutter, das sie gleich mitnehmen können.

 

Der Durchfall lässt nicht nach. Auch der Juckreiz ist wieder da. Sie müssen wieder hin.

Irgendwann muss das ja mal aufhören.
Man sagt ihnen: „Es sind immer noch Giardien da, wir müssen dranbleiben, bis sie alle vernichtet sind.“ Was sind das nur für teuflische Viecher, denken Sie? Und dann kriegt er gleich noch eine Spritze gegen den Durchfall und eine gegen den Juckreiz.


Nun sind sie doch neugierig geworden und wagen zu fragen, was das denn für für Spritzen sind. „Na, ein ganz schwaches Kortisonpräparat; keine Sorge, das hat keine Nebenwirkungen, und wegen der Dysbiose im Darm habe ich ein Antibiotikum gespritzt.“ Dysbiose merken Sie sich, da werden sie googlen, den Mut zu fragen haben sie nicht.

 

Eines wissen sie jetzt ganz sicher, sie haben einen schwerkranken Hund, was sie ja nie vermutet hätten. Völlig entfallen ist ihnen inzwischen, was für eine fröhlicher, lustiger, kleiner Kerl zu ihnen gekommen war, bis, ja  bis. …..

 

Die Geschichte ist noch nicht zuende. So könnte sie weitergehen. Er braucht nun ständig Kortison und immer wieder Antibiotika, die Diätfutter wechseln sie wie ihr Hemd. Die Symptome lassen nicht mehr nach. Jetzt fallen ihm die Haare aus, stumpf war das Fell schon lange. Nun werden schlechte Blut- und Leberwerte festgestellt, auch die Nieren sind nicht in Ordnung. Sie müssen nun ständig in die Praxis und zu Hause haben Sie ein Arsenal an Medikamenten.

 

Ganz dunkel erinnern Sie sich daran, dass Sie mal mit einem, wie sie glaubten, gesunden Hund zur Vorsorgeuntersuchung gegangen sind. Was für ein fröhlicher kleiner Kerl war das damals, mit immer guter Laune, der spielte und herumsprang, ein Inbegriff von Fröhlichkeit und Gesundheit. Was war das für eine Freude.

 

Aber er war eben doch nicht gesund, denken sie traurig, sie hatten es nur nicht bemerkt. Jetzt wissen Sie endlich, wie wichtig die Ratschläge von Fachleuten sind. Wie diese Geschichte endet, das müssen Sie nun selbst erfinden.

 

Ganz sicher kann das alles in der Wirklichkeit niemals passieren. Es ist ja nur eine total erfundene Geschichte.

 

Übrigens: Beim nächsten Mal kaufen sie sich keinen Hund mehr, stattdessen einen Kleinwagen, das kommt von den Kosten her aufs selbe heraus.

 

Klaus-Rainer Töllner - Märchenerzähler