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Teil 3: Symptome für Stoffwechselüberlastung
beim Pferd und mögliche Therapien

 

Teil 3

 

Ist die Leber durch Stoffwechselüberlastung erst einmal in ihrer Funktion eingeschränkt, so kann sie ihrer Entgiftungsfunktion nicht mehr ausreichend nachkommen.

Diese Störung kann sich langfristig als Kryptopyrrolurie (KPU) manifestieren. Diese ist im Blutbild nicht nachweisbar, allerdings mit Hilfe einer Urinprobe und der Bestimmung des Kryptopyrrol- und des Indikan-Werts. Aus diesem Zustand kommt das Pferd ohne Hilfe von außen nicht mehr heraus, hier muss therapeutisch eingegriffen werden, bis das Pferd sich wieder stabilisieren kann.



 

 



Hinweise auf erhebliche Entgiftungs­störungen:

  • Alle Symptome für Leber- und Nieren-Probleme
  • Wiederkehrende Koliken, trotz optimaler Haltung und Fütterung
  • Probleme im Bewegungsapparat wie intermittierende Lahmheiten, Rückenverspannungen, die nicht muskulär oder osteopathisch erklärbar sind
  • Kotwasser, Durchfälle trotz pferde­gerechter Fütterung
  • Chronischer Husten, therapieresistenter Husten
  • Anfälligkeit für Überbeine, Knochendemineralisierung, Zahndeminerali­sierung
  • Multimorbide Pferde, d. h. viele verschiedene, z. T. schwer definierbare Krankheitszustände
  • Non-responder, also Pferde, die auf Therapien nicht oder viel zu schwach ansprechen

Diese Pferde sprechen auf normale Therapien oft nicht mehr oder nur sehr schwach an. Häufig haben die Besitzer schon eine Odyssee durch verschiedene Tierarzt- und Heilpraktiker-Praxen hinter sich, ohne dass die Symptome sich nachhaltig gebessert haben. Stattdessen kommen häufig mit der Zeit und der medikamentösen Therapie immer neue Erkrankungen und Symptome hinzu. Bei Verdacht auf KPU ist es wichtig, zunächst diagnostisch zu bestimmen, ob es sich um diese Stoffwechselstörung handelt oder nur eine zufällige Häufung von Symptomen.

Sind die Pferde an KPU erkrankt, so können auch die üblichen Entgiftungstherapien nicht mehr greifen, weil die Leber ihre Regulationsfähigkeit verloren hat. Entgiftungskuren wirken hier oft eher schädlich und können die Symptome deutlich verstärken, weil gerade diese Entgiftung, die man anregt, nicht mehr funktioniert. Denn diesen Pferden fehlt ein wichtiger Katalysator, um in der Leber die Entgiftung ablaufen zu lassen, das Pyridoxal-5-Phosphat, kurz P5P genannt. Dabei handelt es sich um eine aktivierte Form von Vitamin B6, welche das Pferd aber selber nicht oder nur in sehr geringen Mengen herstellen kann.

Die Entgiftung erfolgt in der Leber in zwei Phasen, wobei die Phase 1 auch bei KPU normal abläuft. Erst in der Phase 2 wird P5P als Katalysator für den Start der chemischen Reaktionen benötigt. Fehlt es, so bricht die Entgiftungskaskade ab und übrig bleibt ein Zwischenprodukt, das häufig wesentlich giftiger ist als das Ausgangsprodukt und jetzt nicht mehr „entschärft“ werden kann. Um diese Giftstoffe trotzdem ausscheiden zu können, werden sie vermehrt an Spurenelemente gekoppelt, allen voran Zink, Selen, Mangen oder Eisen.
Zuerst wird Zink verwendet, nach Aufbrauchen der Zink-Speicher aber auch andere Spurenelemente. Ein im Blutbild sichtbarer Mangel an Eisen (Häm), Selen oder Mangan ist dann oft die Folge der KPU, während man den Zinkmangel, der in der Leber besteht, oft im Blutbild erst viel zu spät sieht.

Die Ursache für das Entstehen der KPU beim Pferd ist eine Störung der Darmflora. Diese kann verursacht werden durch Medikamentengaben, die toxisch auf die Darmflora wirken, wie Antibiotika oder Wurmkuren, aber auch durch eine Fütterung, die das Darmmilieu stört. Dazu gehört die Fütterung von silierten Produkten (Silage, Heulage, Feuchtheu, Maissilage), weil damit zu viele Milchsäurebakterien eingetragen werden und der Darm ansäuert, was giftig auf die natürlich Darmflora wirkt.

Aber auch die Fütterung von Müslis kann sich schädigend auf die Darmflora auswirken, vor allem bei hohem Melasse-Anteil, weil hier oft für das Pferd schädliche Keime siedeln. Auch die Beigabe von „Struktur“ in den Müslis schadet der Darmflora, weil diese Raufaserstengel die Darmpassage verlangsamen, sodass das Futter bis zu einer Woche im Darm gärt. Kommen mehrere Faktoren zusammen, entsteht schleichend aus der Darmentgleisung eine KPU, die sich dann – meist einige Monate bis Jahre zeitverzögert – mit sichtbaren Krankheitssymptomen manifestiert. …
Umstellung der Fütterung zur Entlastung des DarmsDas wichtigste ist bei diesen Pferden die Umstellung der Fütterung auf pferdegerechtes Futter. Keine „Leckerchen“ wie Brot, Äpfel, Karotten, Bananen etc. während der ersten 6 Monate! Aus der Fütterung alles weglassen, was leicht verfügbare Kohlenhydrate enthält, z. B. Melasse, Mais, Rübenschnitzel, thermisch aufgeschlossene (extrudierte) Getreide. Silierte Produkte vermeiden, wie Silage, Heulage oder Feuchtheu. Stattdessen reichlich stengeliges Heu und wenig Getreide in Form von ganzem Hafer oder gequetschter Gerste geben sowie Mineralfutter. Die Futterumstellung sollte langsam über ca. 2 Wochen erfolgen.
Für die Darmsanierung:Süßholz: gründlich ausgekocht als Tee oder als fertiges Extrakt geben über etwa 2-3 Wochen. Süßholz wirkt entzündungshemmend und regt die Regeneration der Darmschleimhaut an.
Bokashi (täglich 1 - 2EL) oder EM-A (täglich ein „Schnapsglas“ voll) über ca. 6 Monate füttern, um erneute Fehlgärungen zu verhindern und der Darmflora Raum zum Wachstum zu geben.
Bitterkräutermischungen wirken adstringierend und verschließen damit der Darmwand, regulieren die Verdauung und regen die Peristaltik an.
 Anschließend entschlackende Kräuter zur Entgiftung über Leber und Galle und Nieren füttern sowie Spirulina zum Abbinden von Toxinen für leichtere Ausscheidung.

Bis der Darm und der Stoffwechsel sich wieder ausreichend stabilisiert haben und das Pferd wieder in seinem normalen metabolischen Zustand ist, muss man – je nach Dauer der Erkrankung – mit einer Therapiezeit zwischen 6 und 24 Monaten rechnen. Daher ist es sinnvoll, rechtzeitig auf „Frühmarker“ für Leber- und Nierenschäden zu achten und die Pferde frühzeitig auf pferdegerechte Fütterung umzustellen und sie pflanzlich oder homöopathisch zu unterstützen, bevor der Stoffwechsel entgleist.

 

zu Teil 1

zu Teil 2


Dr. rer. nat. Christina Fritz, Berlin