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Teil 1: Deutschland - deine Hundeschulen

In drei Teilen werden wir Sie über das Thema Hundeschulen informieren. Wir beginnen In dieser Ausgabe mit dem Thema „Der große graue Markt der Hundeschulen“. In den nächsten Ausgaben folgen dann: Teil 2 – Markt der Möglichkeiten: Hundetrainer­ausbildung in Deutschland und Teil 3 – Die Auswahl einer geeigneten Hundeschule – Leitfaden       

Teil 1
Der große graue Markt der Hundeschulen„Warst du schon in der Hundeschule?“ – Diese Frage wird Neuhundebesitzern oft gestellt. Vor ein paar Jahren war das noch gänzlich anders, da gab es kaum Hundeschulen, sehr wohl aber Hundesportvereine. Kaum jemand sah die Notwendigkeit, mit seinem Familienhund einen „Trainer“ aufzusuchen. Heute hingegen erscheint es unvorstellbar, mit dem Welpen keine Spielstunde zu besuchen, nicht anschließend einen Grundkurs zum Gehorsamstraining zu absolvieren und dann eventuell noch weitere Aktivitäten wie Agility oder Dogdance aufzunehmen.

 

 

 

 

Diese Situaltion zeigt Überforderung, Stress und Unkonzentrierheit - So sollte es nicht sein!

 

 

 

 

 

 




Konzentrierte Aufmerksamkeit ohne Stress!

 

 

 

 

 

 

 

In Fernsehsendungen rund um das Haustier erfährt man, dass der Hund und sein Mensch einen „Hundeprofi“ zur Seite gestellt brauchen, der Vierbeiner beschäftigt sein will; im Netz kann man es auch in Foren und auf bunten Websites lesen, und die zahlreichen Hundemagazine sagen das auch! Also muss es ja stimmen – der Markt ist geschaffen und auf diesem buhlen inzwischen zahllose, ganz unterschiedliche Anbieter um Kundschaft – „Hunde- und Tierpsychologen“, „Verhaltenstherapeuten für Hunde“, „Hundetrainer“ (gerne auch mit dem Zusatzetikett „zertifiziert von der Akademie X“ oder „dem Hundetrainer Y“) oder gar „Hundeflüsterer“.
Schön wäre es, wenn man nun aus der Entwicklung das Fazit ziehen könnte, dass die Hunde es früher schlechter hatten, weil sie keine so kompetente Betreuung und Begleitung erfahren haben wie heute. Nur leider geht die Rechnung nicht auf, weil die Qualität der „Lehre“ nicht stimmt.
Warum nicht?Weil es nicht viel braucht, um eine Hundeschule zu eröffnen oder sich als Hundetrainer selbständig zu machen. Was es einzig dazu bedarf, ist ein Gewerbeschein vom Amt. Die „Berufs“bezeichnungen sind allesamt ungeschützt und mit keinem verbindlichen Inhalt verknüpft. Und was wirklich verwunderlich erscheint: Niemand verlangt eine Qualifikation oder den Nachweis einer Sachkenntnis in Sachen Hund oder Hundeerziehung. Noch nicht einmal ein sogenannter amtlicher „Sachkundenachweis“, wie ihn manche Hundehalter, die einen sog. Listenhund besitzen, nachweisen müssen, wird von ihnen verlangt.

Besonders irreführend ist es auch, dass bei den gewählten Berufsbezeichnungen ein Wortteil, z. B. Hunde-„Psychologe“, „-Therapeut“, „-Schule“ beim potentiellen Kunden immer Assoziationen auslöst, die auf eine fundierte und qualifizierte Ausbildung schließen lassen. Dieses Versprechen wird aber in den allermeisten Fällen nicht eingelöst. Wer sich also ratsuchend an einen Hundetrainer wendet oder gutgläubig seinen Welpen zur Spielstunde in der Hundeschule anmeldet, weiß das nicht und vertraut gutgläubig darauf, dass der „Lehrer“ in einer „Hundeschule“ sein Fach „studiert“ hat, also über breites und gesichertes Wissen in Sachen Hund und Lernen verfügt.

Hundetrainer und Hundeschulbetreiber haben ganz unterschiedliche Biographien. Um von einer Hundeschule oder vom Training seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, bedarf es eines guten Kundenstammes und zahlreicher, gut besuchter Gruppenstunden, denn hier ist der Gewinn für den Veranstalter größer als in intensiven Einzelstunden. Hinreichend Geld damit zu verdienen, das schaffen viele nicht – deshalb wird Hundetraining häufig neben der nor­malen Berufstätigkeit angeboten. Oftmals sind somit Leute darunter, die „ihr Hobby zum Beruf gemacht haben“ bzw. nebenberuflich Geld mit ihrem Hobby verdienen möchten, aber oft wenig Erfahrung sowohl im Umgang mit Menschen als auch mit Hunden haben.

Ein Teil der Hundetrainer kommt aus einem anderen Bereich – es sind Menschen, die seit Jahren auf Hundeplätzen aktiv sind, mit vielleicht schon mehreren Hunden jahrelang in Hundesportarten trainieren, möglicherweise sogar sehr erfolgreich an Wettkämpfen teilgenommen haben. Sie verfügen über viel Praxis und viel Hundeerfahrung und besitzen oft auch mehr Lebenserfahrung als die jungen Hundetrainer. Aber: Sie handeln häufig unreflektiert und nicht theoretisch fundiert. Sie verfügen oftmals über keinerlei oder nur wenig kynologisches Wissen. Der aktuelle Stand der Forschung in Sachen Hundeverhalten oder moderne Erziehungsmethode wird vernachlässigt. Stattdessen wird auf „Bewährtes“ und „Althergebrachtes“ in der Erziehung gesetzt.

Ein Teil der Trainer sind „Profis“ – das sollte man jedenfalls meinen, wenn man die beruflichen Aufgaben und die Ausbildungen ansieht: Es handelt sich hierbei um diejenigen, die von Berufswegen mit Hunden zu tun haben: Veterinärmediziner z. B., die die Zusatzbezeichnung „Verhaltenstherapeut“ führen können, wenn sie entsprechende Kurse belegt haben; Ausbilder von Polizei- und Rettungshunden, die Hunde von Berufswegen auf eine bestimmte Aufgabe vorbereiten und z. B. auch Jäger, die in ihren Kursen Jagdgebrauchshunde ausbilden. Auch aus diesen Kreisen arbeiten Menschen nebenberuflich – oder mitunter sogar inzwischen hauptberuflich – als Hundetrainer. Schaut man von außen auf sie, glaubt man, dass sie eigentlich die am besten ausgebildeten sein sollten, sieht man jedoch genauer hin, auf welcher Basis ihre (Zusatz-)Ausbildung erfolgt, dann stellt man auch hier fest, dass wenig neue Forschungsergebnisse und Erziehungsansätze den Weg in die (zudem oft nicht sehr umfangreichen) Lehrgänge gefunden haben.
Eine Professionalisierung des Berufsbildes „Hundetrainer“ wird seit einiger Zeit von anderen Seiten angestrebt: So werden an IHK Potsdam Hundefachwirte ausgebildet, und es gibt dort auch die Möglichkeit, einen Zertifikatskurs zum „Hundeerzieher und Verhaltensberater (IHK)“ zu belegen.

Daneben gibt es inzwischen zahlreiche Privatanbieter auf dem Markt. Über „Akademien“ und „Schulen“ werden Fernlehrgänge angeboten. Diese sind jedem zugänglich, der bereit ist, die nicht unerheblichen Kosten zu bezahlen. Auch viele Hundetrainer, die sich bereits einen Namen durch die Medien oder in der Szene erworben haben, bieten ihre eigene Qualifizierung zum Hundetrainer an.
Auch hier gilt allerdings: Niemand kontrolliert die Inhalte. Es gibt keine öffentliche Prüfstelle oder Ähnliches. Jeder kann hier vermitteln, was er will und das auch zu dem Preis, den er verlangt. Das führt dazu, dass inhaltlich ganz unterschiedliche Ausbildungsangebote auf dem Markt sind. Einen Überblick über die gängigsten Ausbildungskonzepte werden wir Ihnen im nächsten Teil der Serie geben.

 

weiter zu Teil 2

Denise Diehl / Kirsten Demski, Iserlohn