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Der Paso Peruano

Der Paso Peruano hat sich nach einigen hundert Jahren aus den alt-andalusischen Kavallerie-Pferden der Conquista entwickelt. Das heißt, die Geschichte ihres Ursprungs beginnt 1492 mit der Eroberung Südamerikas durch die Spanier. Diese frühen spanischen Pferde waren aus nordafrikanischen Berbern und wenig asilarabischem Blut entstanden.

Sie waren Quadratpferde, selten größer als 1,50 m, meist fuchs- und braunfarben, Eigenschaften, die sich einige Jahrhunderte später die Nationalpferde Perus noch erhalten haben. Von der Insel Santo Domingo in Mittelamerika verbreiteten sie sich damals in das heutige Panama und weiter südlich nach Kolumbien und von dort auf dem Land- und Seeweg bis Peru. Später, im 16. und 17.  Jahrhundert, nachdem diese Pferde sich ohne Probleme an das neue Klima angepasst und vielfach vermehrt hatten, kreuzte man andere importierte europäische Rassen wie holländische Friesen und Hackneys ein, die ihnen ihre Knieaktion,  und französische Camarguepferde, die ihnen ihre Robustheit und ihren Arbeitswillen vererbten. Man rechnet etwa 100 Jahre, bis sich eine neue Rasse etabliert, dabei spielt es keine Rolle, ob der Mensch oder die Natur diese Auslese trifft. El Caballo Peruano de Paso ist auf Grund desselben geschichtlichen Ursprungs am engsten verwandt mit dem Paso fino von Kolumbien und entfernter verwandt mit den anderen südamerikanischen Pferderassen wie Criollos, Mangalargas, Curlies und Petisos Chilenos, die für andere Aufgaben spezialisiert wurden.

Der Paso wurde selektiert auf eine besondere, für den Reiter anstrengungs­lose Gangart, die für die langen Distanzen auf den weiten Entfernungen der Hochebenen weich zu sitzen war. Es ergab sich ein trittsicherer wendiger Tölt, den man in drei Tempostufen unterscheidet.

Der Tölt ist „der 5. Gang“, ein unterbrochener Pass im Viertakt, wobei beide Beine auf einer Seite gleichzeitig mit etwas Verzögerung (deshalb „unterbrochen“) nach vorne bewegt werden  im Gegensatz zum Trab, wo das diagonal gleichzeitig im Zweitakt geschieht. Pasos Peruanos gelten als Naturtölter, da schon die Fohlen auf der Weide diese Gangart zeigen. Diese Pferde werden mit hoher Kopf- und Beinaktion am lockeren Zügel geritten.


So wie man vom stolzen Spanier spricht, so sollen auch ihre Pferde „arrogancia“ ausdrücken. Welch ein Unterschied zu den geknebelten englisch und pleasure gerittenen Pferden!

Peru besteht im Osten aus dem hohen Gebirge der Anden, im Westen aus flachen sandigen Wüsten bis zur Küste. So haben sich auch ein wenig zwei Schläge der Pasos entwickelt: Die, welche gut klettern können, denen steiniges Geröll und die dünne Luft wenig ausmachen, und die, die mehr flache Langstrecken an der sandigen Küste gewöhnt sind und einige Jahre Übung und Training brauchen würden, um die Strapazen der Höhenluft ihrer dort geborenen Kameraden zu überstehen.
Erst 1973 kamen die ersten Pasos Peruanos nach Europa. Etwa 700 eingetragene Tiere gibt es im PPE in Deutschland, wo sie als Freizeit-, Wander- und Distanzpferde, aber auch für rasse­eigene Turniere geschätzt werden. Das zentrale Zuchtbuch wird in Peru vom ANCPCPP geführt.

Dr. Vera Biber, Tierärztin, Netphen