Die Katze als Beutetierfänger - Teil 3

Die Praxis

Die Gestaltung einer ausgewogenen Ration

Nachdem die ernährungsphysiologischen Grundlagen der gesunden Katzenernährung erläutert wurden, wollen wir das Wissen nun in eine gesunde Mahlzeit für unseren Stubentiger umsetzen.

Die Werkzeuge

Für den Einstieg ins Barfen wird nicht viel benötigt. Viele Dinge finden Sie ohnehin in Ihrem Haushalt, andere können Sie sich im Laufe der Zeit zusätzlich besorgen. Für den Anfang brauchen Sie mindestens:

  • verschieden große, scharfe Messer, um das Fleisch und andere Zutaten schneiden zu können,
  • ein Schneidebrett zum Schneiden der Zutaten, 
  • einen Fleischwolf.

Später kommen dann noch hinzu:

  • ein Pürierstab oder ähnliches, um den pflanzlichen Anteil der Ration zu zerkleinern,
  • eine handelsübliche Küchenwaage zum Abwiegen der Zutaten,
  • eine Feinwaage zum Abwiegen der Supplemente,
  • Tüten oder kleine Dosen, um das fertige Futter portionsweise einzufrieren,
  • ein wenig Platz im Gefrierfach Ihres Kühlschrankes oder im Tiefkühlschrank.

Aus hygienischen Gründen ist es ratsam, einen extra Satz Messer, Schneidebrett etc. anzuschaffen, der ausschließlich für die Herstellung des Katzenfutters verwendet wird.

Das Futter

Gutes Futter muss den natürlichen Bedürfnissen der Katze gerecht werden. Die natürliche Nahrung der Katze besteht aus Kleinsäugern (Mäuse, Ratten, etc.), Vögeln, Echsen und Käfern. Der Hauptbestandteil sind allerdings Mäuse unterschiedlichster Art und unterschiedlichsten Alters. Betrachten Sie den Speiseplan einer Katze, werden Sie feststellen, dass er aus folgenden Zutaten besteht:

  • Fleisch & Innereien
  • Knochen
  • Blut
  • Haut, Fell bzw. Federn
  • Mageninhalt (vorverdaute pflanzliche Nahrung)

Sehen Sie sich diese Bestandteile bitte einmal genauer an:

Fleisch & Innereien enthalten Proteine, Fette und Wasser, sowie viele Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente und sind der größte Posten in der Ration. Hier findet sich auch das von der Katze so dringend benötigte Taurin. Der Taurin-Gehalt von handelsüblichem Fleisch reicht jedoch bei Weitem nicht an den einer Maus heran, weshalb Taurin später auf jeden Fall zusätzlich supplementiert werden muss.

Knochen liefern vor allem Calcium, enthalten aber auch andere Mengen- und Spurenelemente, welche die Katze dringend benötigt. Sollen keine Knochen gefüttert werden, müssen diese Dinge der Ration auf anderem Wege hinzu gefügt werden. Hier stehen uns die verschiedensten Möglichkeiten offen: Knochenmehl, Eierschale, Calciumcitrat oder Mineralstoff- und Multi-Vitaminpräparate.

Blut enthält – neben Wasser – Salze und weitere Mengen- und Spurenelemente.Handelsübliches Fleisch ist ausgeblutet, so dass diese Inhaltsstoffe der Ration anderweitig zugeführt werden müssen, zum Beispiel durch den Zusatz von Wasser, Meersalz sowie Mineralstoff- und Multi-Vitaminpräparaten.

Die Haut ist Lieferant von Fetten und somit lebenswichtiger Energie, von essentiellen Fettsäuren und fettlöslichen Vitaminen. Neben der Fütterung von Haut können wir diesen Bedarf aber auch anders decken, beispielsweise über das Verfüttern von Fisch. Auch das Supplementieren mit verschiedensten Schmalzen und Ölen ist möglich.

Haare und Federn bringen hauptsächlich Ballaststoffe in die Ration. Ähnlich verhält es sich mit dem Mageninhalt der Beutetiere. Wir gewährleisten die Versorgung mit den notwendigen Ballaststoffen über die Zufütterung eines geringen Anteils Gemüse und/oder Getreide.

Zusammenfassend benötigen wir also:

  • verschiedene Sorten Fleisch – hier steht uns die gesamte Palette handelsüblicher Fleischsorten zur Verfügung
  • ab und zu Fisch
  • Knochen (zum Beispiel Hühnerflügelchen und andere für Katzen geeignete Knochen, gewolfte Knochen, Knochenmehl) oder ersatzweise Eierschalen, Calciumcitrat bzw. entsprechende Mineralstoffpräparate
  • Gemüse und/oder Getreide der Saison
  • Schmalz, Öle
  • Wasser
  • verschiedene Mineralstoff- und Multi-Vitaminpräparate – bitte nicht ausschließlich mit einem Präparat arbeiten, denn auch hier ist Abwechslung wichtig.
  • Taurin

Zur Vermeidung der Aujeszkyschen Krankheit (Pseudotollwut) sollte Schweinefleisch nur aus bekannter, aujeszky-freier Herkunft verfüttert oder darauf verzichtet werden.

Bevor Sie nun die Rationen für Ihre Katze zusammenstellen, sind noch einige Fragen zu klären: Wie viel Prozent des Gesamtfutters wollen Sie mit Rohfütterung abdecken? Zum Einstieg empfiehlt es sich, nur maximal 20 % der Gesamtfuttermenge durch diese zu ersetzen. So können sich Neulinge erst einmal an die Materie heran tasten und erste Erfolge erzielen. Aber nicht nur Sie müssen sich an die „neue“ Art der Fütterung gewöhnen. Vielen Katzen fällt die Umstellung mindestens genauso schwer. Spätestens beim Kampf, die Supplemente in die Katze zu bekommen, werden Sie dies merken.

Sie beginnen also damit, bis zu 20 % der Gesamtration durch Rohfutter zu ersetzen. Das hat den Vorteil, dass Sie Ihrer Katze das Rohfutter erst einmal unsupplementiert geben können, ohne sich Sorgen machen zu müssen, dass Ihre Katze irgendeinen Nährstoff-Mangel erleidet. Mit den restlichen 80 % Fertigfutter sind die benötigten Nährstoffe in der Regel gut abgedeckt.

Am sinnvollsten ist es, mit leicht verdaulichem Rohfutter zu beginnen. Geflügel ist hier eine gute Wahl. Es bietet für den Anfang ausreichend Abwechslung und sollte Ihre Katze schnell auf den Geschmack bringen. Füttern Sie aber nicht nur reines Fleisch, denn Geflügel hat weitaus mehr zu bieten. Geflügelherzen, Geflügelmägen und später auch Flügel stellen eine willkommene Abwechslung dar. Da Ihre Katze es nicht gewohnt ist, Fleisch zu „reißen“, kann es sinnvoll sein, dieses anfangs in gewolfter Form zu geben. Diese Konsistenz dürfte Ihrer Katze auch bekannt vorkommen und erleichtert ihr so den Umstieg. Nimmt die Katze das gewolfte Futter gut an, können Sie damit beginnen, einen Teil des Futters in größer werdenden Stücken zu füttern, bis sie schließlich bei mausgroßen Stücken angekommen sind. Einen Teil werden Sie unter Umständen auch weiterhin wolfen müssen, um darin die Supplemente zu verstecken. Aber soweit sind wir noch nicht.

Vorerst bieten Sie das Futter noch komplett gewolft an. Frisst die Katze das Rohfutter ohne Beanstandung, können Sie versuchen, ihr die ersten Supplemente unter zu jubeln. Beginnen Sie vielleicht mit Taurin. Lösen Sie es unbedingt in etwas Wasser auf und mischen es unter das gewolfte Fleisch. Akzeptiert die Katze das Taurin im Futter, gehen Sie dazu über, nach und nach die anderen Supplemente einzeln einzuführen. Jetzt können Sie sich an die Erhöhung des Rohfutteranteils wagen. Die Bedarfswerte Ihrer Katze kennen Sie bereits aus den ersten beiden Teilen dieses Artikels. Dieses Wissen gilt es nun in die Praxis umzusetzen.

Welche Mengen?

Die gefütterte Menge ist sehr unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren (Alter, Rasse, Aktivität, Klima usw.) ab. Die angegebenen Werte von 25 bis 30g/kg Körpergewicht dienen als Richtwerte und können mehr oder weniger stark abweichen. Eine Katze von 4kg Körpergewicht benötigt also etwa 100 bis 120g Futter pro Tag.

Wenn Sie Ihre Katze gut beobachten, werden Sie schnell heraus finden, ob sie mit der Futtermenge zurecht kommt oder ob Sie eine Anpassung nach oben bzw. unten vornehmen müssen. Hinzufügen möchte ich, dass es gerade anfänglich vorkommen kann, dass die Katze mit der angebotenen Menge nicht satt wird. Setzen Sie dann die Futtermenge etwas herauf und reduzieren Sie diese anschließend über einen Zeitraum von 14 Tagen wieder.

Wie sieht nun eine optimale Ration aus? Ausgehend von der Gesamtration sollte diese aus folgenden Komponenten bestehen:

Den Großteil der Ration bestimmen die tierischen Anteile, die circa 95 bis 98 Prozent der Gesamtration ausmachen. Der Anteil an Innereien liegt bei etwa fünf und der Gesamtfettgehalt bei fünf bis sieben Prozent. Maximal zwei bis drei Prozent der Ration dürfen aus pflanzlichen Anteilen bestehen.

Im Sinne der naturnahen Ernährung sollten innerhalb einer Ration immer verschiedene Teilstücke einer oder unterschiedlicher Tierarten kombiniert werden. Dadurch werden Defizite einzelner Teilstücke hinsichtlich eines oder mehrerer Nährstoffe schon weitgehend ausgeglichen und Sie brauchen am Ende keine unnötigen Mengen Supplemente hinzufügen.

Da Katzen fast ihren gesamten Wasserbedarf über die Nahrung decken, müssen Sie darauf achten, dass der Wassergehalt in der Ration hoch genug ist. Er sollte bei etwa 75 Prozent liegen. Unabhängig davon muss der Katze natürlich immer Trinkwasser zur freien Verfügung bereitgestellt werden.

Wenn Sie sich jetzt an die Zusammensetzung einer Futterration wagen, versuchen Sie bitte nicht, diese hinsichtlich aller Nährstoffe auf nur einen Tag genau ausgeglichen zu gestalten. Bereiten Sie am besten die Futterrationen für zwei bis drei Wochen vor und beziehen Sie sämtliche Futtermittel in Ihre Berechnungen mit ein. Innerhalb dieser Zeit ist der Organismus in der Lage, eine partielle Über- bzw. Unterversorgung auszugleichen – vorausgesetzt, Sie füttern abwechslungsreich.

Um eine Berechnung der Ration vornehmen zu können, brauchen Sie neben den Bedarfswerten Ihrer Katze natürlich auch die Inhaltsstoffe der einzelnen Futterkomponenten. Hierzu bedienen Sie sich am besten einer der Lebensmitteldatenbanken aus dem Internet. Bitte versuchen Sie nicht, mit mehreren Datenbanken gleichzeitig zu arbeiten, da die einzelnen Werte zwischen diesen Datenbanken zum Teil um bis zu 300 Prozent voneinander abweichen. Außerdem sind diese, ebenso wie die Bedarfswerte, lediglich als Richtwerte zu betrachten. So wie jede Katze individuelle Bedarfswerte hat, hat auch jede Futterkomponente andere Inhaltsstoffe. Das braucht Sie keinesfalls zu beunruhigen, liegt es doch in der Natur der Sache. Abwechslung in der Rationsgestaltung ist auch hier wieder das Mittel der Wahl, denn dadurch gleichen Sie naturbedingte Schwankungen weitgehend aus und bieten Ihrer Katze eine ausgewogene Ernährung.

Am einfachsten ist es natürlich, wenn Sie zur Berechnung der Ration einen der verschiedenen, im Internet zu findenden Kalkulatoren benutzen. Dort sind sowohl die Bedarfswerte für Katzen, als auch die Inhaltsstoffe der einzelnen Futterkomponenten hinterlegt. Sie tragen lediglich die geforderten Daten ein und erhalten am Ende eine Gegenüberstellung von Bedarf und Ration. Mit einiger Übung basteln Sie Ihrer Katze damit abwechslungsreiche Menüs.

Wie oft füttern?

Je öfter Ihre Katze fressen kann, desto besser. Eine adulte Katze in der Natur frisst etwa 10 bis 15 mal pro Tag kleinere Mengen. Dies ist natürlich in unserer heutigen Gesellschaft so nicht praktikabel. Ein guter und machbarer Kompromiss ist die zweimalige Fütterung. Welpen, Jungkatzen, Senioren und Katzen mit empfindlichem Magen sollten entsprechend häufiger gefüttert werden.

Wie füttern?

Das Futter sollte mindestens in Raumtemperatur, besser noch in Körpertemperatur verfüttert werden, auf keinen Fall jedoch frisch aus dem Kühlschrank. Wenn man nicht auf das Auftauprogramm der Mikrowelle zurückgreifen möchte, kann man etwas heißes Wasser unter das Futter mischen.

Der pflanzliche Anteil in der Nahrung muss so klein wie möglich püriert werden. Dadurch brechen Sie die Zellwände der pflanzlichen Zelle, ein Vorgang, zu dem der Organismus einer Katze allein nicht in der Lage ist. In der Natur erledigt dies das Beutetier für die Katze, indem es die pflanzliche Nahrung vorverdaut und so die Zellwände aufschließt. Die Katze nimmt diese dann in Form des Mageninhalts auf.

Zwischen der Fütterung von industriellem Fertigfutter und einer Rohfleischmahlzeit sollte man immer einige Stunden Zeit verstreichen lassen. Gekochtes Fleisch und pflanzliche Nahrung werden wesentlich langsamer verdaut und würden sonst den Verdauungsvorgang der Rohfutterration verlangsamen.

Normalerweise wäre auch dies kein großes Problem. Sollten sich aber doch ein paar Salmonellen oder andere Bakterien mehr am Fleisch befinden, hätten diese nun mehr Zeit, sich zu vermehren und eine schädigende Wirkung zu entfalten. Deshalb ist es besser, wenn die Rohfutterration gesondert im Magen-Darm-Trakt ankommt, denn dann kann sie schneller verdaut werden. Salmonellen & Co haben so keine Chance.

Schmeckt Ihrer Katze nun das Rohfutter, können Sie sich freuen, denn Sie bieten ihr jetzt eine gesunde, natürliche Ernährung, und sie wird es Ihnen danken. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Umstellung und Ihrer Katze: „Guten Appetit“!

Peter Alm, Tierheilpraktiker

Zurück zu Teil 1 - Ernährungsphysiologische Grundlagen der gesunden Katzenernährung

Zurück zu Teil 2 - Nahrungsbestandteile und ihre Verdauungsphysiologie

29.08.2018

Bildergalerie

Zurück zur Übersicht