Arachidonsäure

Fleisch im NapfArachidonsäure ist eine vierfach ungesättigte Fettsäure (4 Doppelbindungen) und dient als Ausgangspunkt für die Bildung sogenannter Eicosanoide der Serie 2 – Gewebshormonen mit entzündungsfördernder, immunsuppressiver (das Immunsystem in seiner Funktion hemmender) und gefäßverengender Wirkung.

Hunde und Pferde – wie auch der Mensch – können Arachidonsäure aus Linolsäure bilden. Katzen zeigen diesbezüglich eine Besonderheit: Bei ihnen weist das für diesen Umwandlungsprozess benötigte Enzym (die δ-6-Desaturase) eine zu geringe Aktivität auf. Daher müssen Katzen Arachidonsäure über die Nahrung aufnehmen. Aber auch für Hunde ist im Alter eine nachlassende Enzymaktivität nachgewiesen. Arachidonsäure wird demzufolge ebenso für Hunde essentiell und muss entsprechend zugefüttert werden.

Arachidonsäure kommt ausschließlich in tierischer Nahrung vor: Sie ist reichlich in Fleisch (Schwein, Rind, Geflügel), in Schweinschmalz, Butter, Eigelb und in Innereien enthalten. Freilebende Katzen, die sich hauptsächlich von Mäusen ernähren, sind sicherlich ausreichend mit Arachidonsäure versorgt. Ansonsten hätten sie im Rahmen der Evolution über Millionen von Jahren kaum überleben können.

Arachidonsäure als Bestandteil von Phospholipiden (Fett-Phosphat-Verbindungen) in den Zellmembranen beeinflusst einerseits deren Struktur und damit die Durchlässigkeit und den Stoffaustausch der Zellen. Andererseits ist Arachidonsäure die Vorläufersubstanz für bestimmte Gewebshormone, die Eicosanoide der Serie 2, die zahlreiche stoffwechselphysiologische Funktionen im Organismus besitzen. Diese Wirkungen werden oftmals als negativ beschrieben (entzündungsfördernd, gefäßverengend, immunsuppressiv). Jedoch gilt diese Werteinschätzung im Grunde genommen nur bei dauerhaft zu hoher Konzentration im Körper, also bei einem unausgewogenen Omega-6 zu Omega-3-Fettsäure-Verhältnis zugunsten der Omega-6-Fettsäuren im Futter der Tiere! Selbstverständlich braucht der Organismus Möglichkeiten, sich gegen Infektionen im Körper zu wehren, d. h. er muss viele Lymphozyten zum Ort des Geschehens schicken können (Entzündung). Arachidonsäure bewirkt über die Synthese bestimmter Gewebshormone u. a. genau das.

Hunde können – zumindest in jüngeren Jahren – ausreichend Arachidonsäure aus Linolsäure gewinnen. Werden sie mit hochwertigem Hundefutter (genügend großer Fleischgehalt) gefüttert, sollte ihr Arachidonsäurebedarf gedeckt sein.

Kommerzielles Katzenfutter weist keine explizite Arachidonsäure-Deklaration auf. Es wird offenbar von einem ausreichenden Gehalt im Futter ausgegangen. Aber wie sieht die Arachidonsäure-Konzentration in minderwertigerem Industriefutter mit nur relativ geringen Fleischmengen und stattdessen hohen pflanzlichen Nahrungsbestandteilen aus? Ist in diesem Fall die bedarfsdeckende Arachidonsäure-Versorgung gewährleistet?

Mangelerscheinungen

Ein Arachidonsäuremangel äußert sich bei Katzen (und auch bei Hunden und Pferden) z. B. in einer gestörten Fortpflanzung, es werden keine lebensfähigen Nachkommen geboren. Auch Wachstumsstörungen können auftreten. Im Gegensatz zu weiblichen Katzen benötigen Kater für die Fortpflanzung offenbar keine Arachidonsäure: Bei Arachidonsäuremangel treten keine Störungen der Spermatogenese (Spermienbildung) auf. Möglicherweise kann Linolsäure in den Hoden zu Arachidonsäure umgewandelt werden. Des Weiteren kann es bei Mangel an Arachidonsäure zu Störungen der Blutgerinnung kommen, zu entzündlichen Hautveränderungen, zu Fettleber oder Nieren-Dysfunktion, zu Infektanfälligkeit, gestörter Wundheilung und vermehrten Entzündungsprozessen im Körper (Rheuma, Arthritis).

Laut allgemeinen Literaturangaben kann Arachidonsäure synthetisch aus der Braunalge Ascophyllum nodosum gewonnen werden.

Ein weiterer Gedanke zur reduzierten δ-6-Desaturase-Aktivität bei Katzen: Ist diese mangelnde Enzymaktivität eventuell als eine sinnvolle Einrichtung der Natur zu deuten, um Katzen als hauptsächlich Fleisch fressende Tiere vor einer Überversorgung mit Arachidonsäure zu schützen? Ein Arachidonsäure-Überangebot, so wie es die Menschen westlicher Industrienationen heutzutage mittels hohen Fleischverzehrs provozieren, fördert entzündliche Krankheitsprozesse und andere schwerwiegende Gesundheitsprobleme (siehe Eicosanoide).

Dr. Frauke Garbers, Biologin

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