Alpha-Linolensäure (ALA)

Portulak wildwachsendDie dreifach ungesättigte ALA ist die wichtigste der Omega-3-Fettsäuren: Sie dient dem Strukturerhalt der Zellmembran und als Ausgangsverbindung für die Synthese von Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Diese beiden mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren sind bekannt als gesundheitsfördernde, entzündungshemmende Fettsäuren, sehr reichlich in Fischöl und Krillöl enthalten.

Die alpha-Linolensäure ist essentiell für Hunde, Katzen und Pferde und muss daher mit der Nahrung aufgenommen werden. Pflanzen sind hingegen in der Lage, alpha-Linolensäure aus Ölsäure zu bilden.

Alpha-Linolensäure kommt in fast allen grünen Pflanzen (Portulak z. B.enthält große Mengen alpha-Linolensäure) und in Weidegras vor. Insbesondere Algen weisen eine hohe ALA-Konzentration auf. Pflanzenöle sind gute alpha-Linolensäurequellen: Leinöl weist einen hohen Anteil ALA auf, daher auch der Name (griech. linos = Lein (Flachs)).  Aber auch Hanföl, Walnussöl, Sojaöl oder Rapsöl bzw. die jeweiligen Saaten (z. B. auch Chiasamen) und Walnüsse sind reichlich ALA-haltig. Sonnenblumenöl und Distelöl enthalten hingegen im Verhältnis nur geringe Mengen an alpha-Linolensäure, dagegen einen viel höheren Anteil an Omega-6-Fettsäuren (Linolsäure). Dies sollte bei der Verfütterung von Öl an Pferde berücksichtigt werden. Denn gerne wird neben Leinöl (Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren ca. 4:1) auch Sonnenblumenöl (122:1!) ins Futter gegeben. Je höher der Anteil an Omega-6-Fettsäuren im Vergleich zu den Omega-3-Fettsäuren im Öl, desto größer die Wahrscheinlichkeit der Bildung entzündungsfördernder Gewebshormone (Eicosanoide Serie 2). Leinöl weist zwar den höchsten Gehalt an Omega-3-Fettsäuren unter den Pflanzenölen auf, enthält aber nur geringe Mengen an Fettsäure schützenden Antioxidantien (z. B. Vitamin E). Dadurch ist es nur begrenzt haltbar bzw. wird bei unsachgemäßer Lagerung (zu hell, zu warm) relativ schnell ranzig.

Katzen können im Gegensatz zu Hunden und Pferden offenbar keine ausreichenden EPA- bzw. DHA-Mengen aus alpha-Linolensäure synthetisieren. Der Grund: Dieselben Enzymsysteme, die für die Umwandlung von Linolsäure in Arachidonsäure verantwortlich sind, wandeln auch alpha-Linolensäure in EPA um – und diese Enzyme sind bei Katzen nur sehr gering aktiv.

Folglich sollte Katzenfutter mit EPA und DHA ergänzt werden, beispielsweise über Fischöl (Lachsöl) oder Krillöl (s. Eicosanoide / EPA und DHA). Der Zusatz von ausschließlich ALA in industriellem Katzenfutter ist aus genannten Gründen unsinnig. Da der Anteil an Omega-3-Fettsäuren im Fleisch heutiger, überwiegend mit Getreide gefütterter Stalltiere viel geringer ist als im Fleisch und in den Milchprodukten von Weidetieren und Wildtieren (nur noch 1/3 – 1/4), sollten sowohl Katzen als auch Hunde generell mit ALA, EPA und DHA zusätzlich versorgt werden, durch regelmäßige Gaben von Fischöl/Krillöl und hochwertigem Pflanzenöl im Wechsel.

Pferde dürften bei regelmäßigem Weidegang auf kräuterreichen Wiesen und Fütterung mit qualitativ hochwertigem, gehaltvollem Heu ausreichend mit alpha-Linolensäure versorgt sein. Gras enthält reichlich alpha-Linolensäure. Leider sieht die Realität heutzutage anders aus: Pferde werden oftmals in der Box gehalten und statt Heu wird praktischerweise Heulage oder gar Silage gefüttert. Daher kann der Gehalt an alpha-Linolensäure im Pferdefutter im Vergleich zu artgerechten Fütterungsbedingungen zu gering ausfallen. Demzufolge macht es Sinn, auch Pferden regelmäßig etwas ALA-haltiges Pflanzenöl ins Futter zu geben. Leinöl jedoch nur in wirklich frischem Zustand (Geschmack überprüfen!).

Mangelerscheinungen


Ein unphysiologisches Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren zugunsten der Omega-6-Fettsäuren kann zu vermehrten Entzündungsprozessen im Körper führen (Rheuma, Arthritis, usw.), zu entzündlichen Hautveränderungen, Juckreiz, Ekzemen, schuppiger trockener Haut oder mangelndem Fellglanz. Auch Fellwechselprobleme, Brüchigkeit von Haar und Horn oder mangelndes Hufwachstum können auf einem ALA-Mangel beruhen. Ebenso werden erhöhte Infektionsanfälligkeit oder mangelnder Muskelaufbau beobachtet. Eine alpha-Linolen-Unterversorgung kann Nieren- oder Leberprobleme, Herz-Kreislaufstörungen und im weiteren Sinne (aufgrund des entzündungsfördernden Effektes) u. U. Krebserkrankungen verursachen.

Dr. Frauke Garbers

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