Neues Tierschutzgesetz

Ausstellungsverbot für Qualzucht

Deutscher SchäferhundDie Bundesregierung hat im Januar 2012 den Entwurf eines neuen Tierschutzgesetzes vorgelegt. Darin ist eine Vorschrift enthalten, die das Ausstellen von Tieren mit Qualzuchtmerkmalen ausdrücklich verbietet.

Man sollte meinen, das sei eigentlich selbstverständlich. Schließlich verstehen sich die Züchter und Halter, die ihre Hunde oder Katzen auf den Shows um Championate und Bewertungen kämpfen lassen, regelmäßig als Freunde ihrer Tiere. Würde ein Freund seinem Freund so etwas wie Qualzucht antun? Klar, nein. Man würde vielmehr alles tun, um seinen Freund vor solchen Widrigkeiten zu schützen. Und das gerade dann, wenn unser Freund – wie alle Heimtiere – vollkommen von unserer Fürsorge abhängig ist. Trotzdem hat das Show-Wesen einen entscheidenden Anteil daran, dass wir heute über kranke Rassehunde und zunehmend auch krank gezüchtete Rassekatzen, Vögel und andere Wirbel­tiere sprechen müssen.

Schauen wir auf die Hunde. Früher wurden Hunde nach ihrer Arbeitsleistung bewertet, die jede Hunderasse in ihrer speziellen Disziplin bringen musste. Sie mussten zudem gesund und robust sein. Nur solche Vertreter einer Hunderasse nahmen Jäger, Bauer, Fleischer oder Schäfer früher zur Zucht. Dieses, ich sage einmal, „Championat der Arbeit“ wurde seit mehr als 100 Jahren durch das Championat auf Ausstellungen ersetzt. Und auf Ausstellungen zählen nicht Leistung, Wesen oder Gesundheit, vielmehr zu allererst die äußere Erscheinung.

PerserkatzeBei nicht wenigen Hunderassen etwa Mops, Bully oder auch dem immer noch Lieblingshund der Deutschen, dem Schäferhund, führen extreme Übertreibungen und skurrile Vorstellungen von Schönheit regelrecht zu Verstümmelungen. Dasselbe gilt für manche Rassekatzen, man denke nur an den Perser, dem die gesamte Schnauze weggezüchtet wurde. Daher ist es nur zu begrüßen, wenn diesen Eskapaden zulasten der Tiere endlich Einhalt geboten wird. Ein explizites Verbot von Qualzuchtmerk­malen auf Ausstellungen würde hier sehr hilfreich sein. Da macht das Ansinnen der Bundesregierung ein wenig Hoffnung.

Der Verband für das deutsche Hundewesen, VDH, der mit Abstand größte Ausrichter von Hundeausstellungen in Deutschland, sieht das allerdings anders. Sein Präsident Prof. Peter Friedrich schreibt im Vereinsorgan „Unser Rassehund“: „Für nicht zielführend halten wir den vom BMLV vorgetragenen Plan, zusätzlich ein Verbot auszusprechen, das jedwedes Ausstellen von Wirbeltieren mit Qualzuchtmerkmalen unterbindet.“ (3/2012)

Englische BulldoggeBegründet wird diese Ablehnung mit den angeblich unkalkulierbaren Risiko für die Aussteller, die nach einer Disqualifizierung wegen Qualzuchtmerkmalen umsonst angereist wären. Dieser Standpunkt des VDH ist aus Sicht des Wohls der Hunde nicht nachzuvollziehen. Und es geht auch anders. Gerade hat die mit Abstand größte Hundeshow der Welt, Crufts im britischen Birmingham, einen tierärztlichen Gesundheitscheck für 15 Hunderassen eingeführt. So wurden bereits die durch Richter als jeweils beste ihrer Rasse prämierten Pekinesen, Mastiffs oder Basset Hounds disqualifiziert. Sie hatten den Gesundheitscheck durch unabhängige Veterinäre nicht bestanden. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn solche unabhängigen Kontrollen auf allen Ausstellungen von Hunden, Katzen, Pferden, Vögeln und anderen Tieren stattfinden und im Zweifelsfall zu einer Disqualifikation führen würden.

Den Erscheinungen von Qualzucht muss endlich wirksam Einhalt geboten werden. Ein ausdrückliches Ausstellungsverbot für Tiere mit Qualzuchtmerkmalen wäre da ein guter Schritt.

Christoph Jung

 

Milchkühe - auf diesen Eutern können sie kaum noch liegen Anmerkung der Redaktion:
Wie soll man eigentlich die Zucht von Kühen bezeichnen, die ihr Euter fast über den Boden schleifen und kaum mehr laufen können? Qualzucht, nicht anders. Und wie die Zucht von Puten oder Hühnern, deren Brustmuskel so schnell und massiv wächst, dass sie ihr Gleichgewicht nicht mehr halten können? Qualzucht, nicht anders. Aber wir dürfen ganz sicher sein, dass sich die verehrten zuständigen Politiker dazu nicht äußern werden, von gesetzlichen Maßnahmen ganz zu schweigen. So nötig es sicher ist, die Qualzuchten von Heimtieren zu beenden, es ist für die Politiker einfacher, sich um Hund und Katz zu kümmern, als sich mit der Bauernlobby herumzuschlagen.

15.06.2012

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