Säure-Basen-Balance

Acidose

Acidose - der Hauptauslöser vieler Krankheiten

„Vorbeugen ist besser als heilen“ – dieser Satz ist noch allen geläufig. Und alle meinen, so zu handeln. Die Futtermittel sind nach Angaben der Hersteller optimal hergestellt und zusammengesetzt. Die Versorgung mit Medikamenten war nie besser. Kann man es denn noch besser machen?

Warum nur steigt denn die Anzahl kranker Pferde, Hunde und Katzen ständig und die Arztpraxen sind voll wie nie zuvor?

Ich erzähle Ihnen eine kleine Geschichte. Viele Jahrhunderte waren auf den Schiffen, mit denen die Europäer die Welt erkundeten, bis zur Heimkehr etwa zwei Drittel der Mannschaft verstorben, die meisten an Skorbut. Eine hässliche Krankheit, die schon Ägypter und Griechen vor 3000 Jahren kannten. Es fängt an mit Müdigkeit, schlecht heilenden Wunden, es kommt zu inneren Blutungen, Haut- und Gelenksentzündungen, Durchfall, Zahnfleischbluten, dann fallen die Zähne aus; die meisten sterben letztlich an Herzversagen. Eine Krankheit also mit vielen Gesichtern, eine Goldgrube für Ärzte und Pharmazeuten, denn an jedem der Symptome kann man mit allen möglichen Mitteln und Methoden herumdoktern. Mal hilft eins, das andere wieder nicht. Wer hatte schon ein Interesse daran, die wirkliche Ursache zu finden und die Krankheit zu heilen?!

Beim Skorbut fand man sie dann doch im Jahre 1927: Vitamin C. Die Forschung war noch frei, man war an der Wahrheit interessiert. Für Skorbut gab es also eine ganz simple Erklärung: ein Vitaminmangel. Nur lässt sich mit Vitamin C kaum Geld verdienen, denn dieses Vitamin ist in vielen Pflanzenteilen, vor allem Früchten, enthalten und lässt sich für einen Spottpreis synthetisch herstellen. Über Skorbut redet heute keiner mehr, die Krankheit ist besiegt. Dumm gelaufen. Ich werde den Verdacht nicht los, dass es noch andere Krankheiten bzw. Symptome gibt, deren wirkliche Ursache man gar nicht wissen will, weil die Therapie so billig und wirksam ist, dass man kein Geschäft daraus machen kann. Vorneweg die Acidose, also Übersäuerung.

Das-Säure-Basen-Gleichgewicht

Das charakteristische Merkmal einer Säure ist die Dissoziation (Zerfall von Molekülen in seine Bestandteile) in positiv geladene Wasserstoffionen – H+-Ionen – (Kationen) und (negativ geladene) Anionen in einer wässrigen Lösung. Basen sind Verbindungen, die in Wasser zu negativ geladenen Hydroxidionen – OH-Ionen – (Anionen) und zu Kationen (positiv geladen) zerfallen. Gemessen wird in pH-Werten (potentia hydrogenii). Der pH-Wert gibt die Wasserstoffionen-Konzentration in einer Säure oder Base an, also H+. Es genügt zu wissen, dass die Zahl 7 neutral angibt, alles, was darunter liegt, ist sauer, was über 7 liegt, ist basisch. In Apotheken kann man Indikationsstäbchen kaufen, mit denen üblicherweise der pH-Wert des Urins gemessen wird. Sie decken den entscheidenden Bereich um 7 herum ab.

pH-Teststreifen

Der Körper funktioniert elektrisch. Alle Stoffe sind deshalb positiv oder negativ geladen. Sie müssen aus dem Blut in die Zellen gelangen und von dort aus wieder zurück. Versorgung und Entsorgung. Zwischen Säuren – positiv geladen – und Basen – negativ geladen – muss ein ausgeglichenes Verhältnis bestehen, nur so können alle physiologischen Vorgänge normal ablaufen. Ein Körper ist bei richtiger, also ausgewogener Säure-Basen-Ernährung und ausreichender körperlicher Aktivität, in der Lage, dieses Gleichgewicht zu halten. Diesen Zustand innerer Balance bezeichnen wir als Gesundheit. Ein erkrankter Organismus kann nur genesen, wenn das Säure-Basen-Gleichgewicht wieder hergestellt wird.

Übersäuerung – Acidose – bei Pferden und Hunden ist Ursache vieler Krankheiten bzw. Symptome, mit denen sich heute die Tiere und deren Besitzer herumschlagen. Die Anzahl ist erschreckend groß. Das mechanistische Verständnis von Lebewesen als Maschinen, die man reparieren kann, eröffnet die Möglichkeit, aus der Übersäuerung ein Riesengeschäft zu machen. Für jedes einzelne Symptom, das als unabhängige Krankheit gedeutet wird, gibt es ein mehr oder weniger passendes Medikament, das angeblich heilen soll und oft auch kurzfristig hilft. Ein Symptom wird vielleicht beseitigt, während nach einiger Zeit ein anderes auftritt. Häufig kommt es auch zur Chronifizierung, was der Tierhalter dann als Schicksalsschlag hinnimmt.

Solange der finanzielle Erfolg bei der Behandlung von Krankheiten eine entscheidende Rolle spielt, wird man sich mit dem Grundübel, dem Thema Acidose, kaum beschäftigen. Tiere zu entsäuern und zu entgiften verspricht eben auf Dauer kein gutes Geschäft. So wird ja auch in aller Regel die Übersäuerung eines Pferdes oder Hundes ignoriert, oft sogar heftig bestritten und als dummes Zeug abgetan. Aufgeschlossene Tierärzte und Tierheilpraktiker sehen das allerdings anders. Sie erkennen den Zusammenhang von Symptomen, führen sie u. a. auf die Übersäuerung des Körpers zurück bzw. sehen sie daran ursächlich beteiligt.

  • Schäden an Sehnen, Bändern, Knorpeln, Arthrose, Spat
  • Rheumatische Erkrankungen
  • Darmerkrankungen, Störungen der Darmflora, Koliken, Durchfälle, speziell bei Pferden Kotwasser
  • Störungen der Leber- und Pankreasfunktion
  • Nierenfunktionsstörungen, bei Pferden Kreuzverschlag
  • Bronchial- und Lungenerkrankungen bis hin zum Emphysem (Dämpfigkeit)
  • Herzinsuffizienz, Herzversagen
  • Magenerkrankungen, Magengeschwüre, Störungen der Belegzellen

Alle diese Störungen bzw. Krankheiten haben etwas mit dem Säure-Basen-Geschehen im Körper zu tun.

Klaus-Rainer Töllner, Biologe

Lesen Sie hierzu auch den Artikel Übersäuerung - Auch bei meinem Tier? 

12.11.2017

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