Humus & Mist Teil 3

Was ist was und wie lagert der Mist ideal?

NaturdüngerWir alle haben schon ganz unterschiedliche Misthaufen gesehen. Da gibt es die wilden Haufen hinterm Stall, lose abgekippt. Oder die flachen Mistlager, gut festgefahren und in ihrer eigenen Jauche reifend. Die Älteren unter uns haben sicherlich auch noch die akkurat senkrecht gestapelten, kastenförmigen Mistquader mit wenig Einstreu als Zierde des gut geführten Hofes vor den Stallungen vor Augen. Damit wird klar: Mist kann in ganz unterschiedlicher Form vorliegen. Es gibt verschiedene Wege Mist reifen zu lassen, für unterschiedliche Ansprüche oder Gegebenheiten. Starten wir also eine kleine Reise in die Welt der Misthaufen.

Was ist was?

Landwirte reden gerne vom Frischmist. Darunter verstehen sie den frischen, noch nicht gerotteten Mist, so, wie er üblicherweise aus dem Stall herauskommt.

Firschmist-HaufenDann unterscheiden sie Festmist vom Flüssigmist. Festmist ist der strukturreiche, nicht in Harn und/oder Wasser verflüssigte Kot mitsamt der Einstreu – also das, was Pferdehalter als Pferdemist kennen. Flüssigmist ist dagegen die Gülle, also in Harn verflüssigter Dung (Kot), weitgehend ohne Einstreu.

Schon weniger geläufig ist der Häckselmist. Häckselmist ist fester Mist aus gehäckseltem Stroh (bis 5 cm lang) als Einstreu. Gehäckseltes Stroh lagert dichter und saugt mehr Flüssigkeit auf. Das Volumen der Jauchegrube kann bei zerkleinerter Einstreu geringer bemessen werden. Mikroorganismen können die zerkleinerte Einstreu schneller angreifen und zersetzen, die Reifung des Mistes in der bakteriellen Rotte tritt schneller ein. Damit ist dieser Mist besser zu verarbeiten durch den Miststreuer und den Pflug.

Völlig abgelehnt wird heutzutage bei Pferdehaltern der Tiefstallmist. Hier handelt es sich um eine Matratzenstreu, die im Laufe des Winters immer höher anwächst. Da schlecht gepflegte Matratzenstreu bei schlechter Belüftung in niedrigen Stallbauten zu hohem Ammoniakgehalt in der Luft führen und die Atemwege der Pferde angreifen kann, ist diese Form des Mistes in Verruf geraten. Dennoch treffen wir Tiefstallmist auch heute noch oft an.

In luftigen Bewegungslaufställen, in denen eine Strohmatratze als Liegebereich dient, wird oft nur alle paar Monate eine neue Liegefläche angelegt und der alte Mist abgefahren. Pferde mit steifen Beinen, zumeist Gnadenbrot-Pferde, benötigen eine sehr rutschfeste Unterlage zum Aufstehen, um nicht wegzurutschen oder gar sich festzulegen. In Jungpferdelaufställen sind Matratzen ebenso zu finden wie in jeder Box, die nicht täglich erneuert bzw. sorgfältig von Äppeln und Harnstellen gesäubert wird. Ursprünglich wurden für Tiefstallhaltung sehr hohe Stallungen gebaut, weshalb der Luftraum über den Pferden für sehr gute Lüftungsverhältnisse sorgte. Den Mist ließ man über Winter auf bis zu 2 m Höhe anwachsen – heute kaum noch vorstellbar. Der gleichmäßig gewachsene und in der Box gereifte Mist war sehr nährstoffreich und wurde ohne Zwischenlagerung direkt auf den Acker gebracht.

Tiefstallmist hat eine stark düngende Wirkung auf das Pflanzenwachstum. Der Vorteil der Methode ist offensichtlich die Einsparung an Mistlager-Kapazitäten. Die Sache hat allerdings – abgesehen von den baulichen Voraussetzungen und hygienischen wie gesundheitlichen Aspekten – einen Haken: Pferde und Schafe produzieren einen sehr trockenen Mist. Hier kann es zu verpilzten, trockenen, nicht verrotteten Misten kommen, die weniger die Bezeichnung „Mist“ verdienen als eher die Einstufung als „verdreckte, verdorbene Einstreu“. Jeder Bauer wird fassungslos, wenn er sowas aufs Feld fahren soll, und empfiehlt Brennmaterial statt Dünger aus diesem Zeug zu machen. Schafs-Tiefstallmist wurde deshalb gut gepflegt, indem vor dem Einstreuen die Matratze bewässert wurde. Matratzenstreu aus der Pferdehaltung muss auf der Mistplatte vom Regen durchfeuchtet und notfalls mehrfach umgestochen werden, bevor das Material als Dünger aufs Feld gebracht werden kann.

Landwirte sprechen zudem vom Hofmist und verstehen darunter den mit einem Höhenförderer, dem Frontlader oder per Hand locker hoch aufgestapelten, gut durchmischten Misthaufen.

"Hofmist"
 

Hier wird kein besonderes Rotterverfahren angestrebt. Die Lagerzeit ist abhängig von der Größe der Mistplatte und dem Mistanfall.

Ungepflegte Misthaufen werden oft als Hofmist bezeichnet. Hier steht die Einsparung an Arbeitszeit und -kraft im Vordergrund, weniger die Produktion eines wertvollen Düngers. Die Qualität dieses Mistes als Dünger ist deutlich schlechter als die der weiter unten folgenden Stapelmiste oder des Tiefstallmistes.

Selten trifft man heute die Mistbereitung, die man früher als flachgelagerter Hofmist „fest & feucht“ bezeichnete. Bei dieser Form der Lagerung und Reifung wird der Mist flach über die gesamte Mistplatte verteilt. Jede neu verteilte Schicht wird stark verdichtet, heute durch Traktoren, die wie im Fahrsilo (Futtersilo aus Gras oder Mais) den Mist platt fahren, früher durch Ochsen und Pferde, die man den Mist festtreten ließ. Zudem muss dieser Mist feucht gehalten werden, was durch seine Lagerung in der eigenen Jauche geschieht. Die höchsten Nährstoffgehalte sind hier schon nach 6-8 Wochen Reifung zu erwarten. Danach fällt der Nährwertgehalt langsam ab. Der Vorteil ist ganz klar die schnelle Umsetzung des Mistes zu schwarz-humosem Dünger bei begrenzter Lagerkapazität. Ein Nachteil kann bei mangelnder Pflege und wechselnder Beschickung die Entstehung stark ungleich verrotteter Bereiche sein.

Edelmist

Die nun folgenden Mistbereitungsverfahren sind heute weitgehend vergessen oder gelten – da sehr arbeitsaufwändig – als nicht mehr praktikabel:

Als höchste Kunst der Mistführung galt noch vor zwei Generationen der Heißmist (auch als Edelmistbereitung oder Heißvergärung von Stallmist nach H. Krantz bezeichnet, basierend auf einer Düngermethode von P. Jauffret ca. 1800). In Deutschland bekannt wurde dieses Verfahren durch den landwirtschaftlichen Professor Hans Glathe (siehe auch Art:Hans Glathe in: Professorenkatalog der Universität Leipzig / Catalogus Professorum Lipsiensium, Herausgegeben vom Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte, Historisches Seminar der Universität Leipzig.). Diese Methode schafft Ordnung auf der Dungstätte und produziert gepflegten, gleichmäßig durchgereiften, wirksamen Dünger. Sie ermöglicht eine planvolle Stallmistvorratswirtschaft und tötet Unkrautsamen ab.

Aber die Durchführung ist äußerst anspruchsvoll: Es werden flache, einzelne, rechteckige Stapel auf der Dungplatte angelegt, die täglich nur zum Teil beschickt werden. Eine nicht ganz waagerechte sondern leicht schräge Schichtung erleichtert die Schaffung fließender Übergänge bei der täglichen Beschickung des Stapels (Schrägschichtung). Die Sickersaftrinne der Jauchegrube muss immer gut funktionieren, also mit einem Rost o.ä. vor Verstopfung geschützt sein. Zusätzlich sollten Zubringer für die Sickersaftrinne z. B. aus Rundhölzern auf der Sohle gelegt werden. Deckel aus Brettern haben sich bewährt, um den flachen Stapel abzudecken. Durch das Stapeln auf jeweils nur kleiner Grundfläche wächst der Einzelstapel in kurzer Zeit auf 3 – 4,5 m Höhe an. Er ist damit hoch genug und wird der Reifung überlassen. Die Stapel werden nach folgendem Prinzip angelegt: Der Frischmist wird zuerst locker gestapelt und durch Aufschütteln gut gezettet, also fein verteilt. Dadurch kommt viel Luft an den Mist. Die Luft fördert Bakterien, die nur bei guter Luftzufuhr leben können. Diese Bakterien produzieren viel Wärme. Die Luft mit ihrem hohen Sauerstoffgehalt oxidiert die entstehenden Huminstoffe, erkennbar an der braunen Farbe. Bei einstreuarmen Misten schichtet man 60 – 90 cm pro Tag hoch, bei strohreichen kann man 90 – 120 cm draufstapeln. Am Stapelrand wird kein lockerer Mist, sondern besonders dungreicher Mist fest geschlagen. Das ermöglicht fast senkrechte Stapelwände. Diese Außenkanten der Mistquader müssen sehr stabil sein. Gelingt das nicht, dann kann der Stapel auseinanderrutschen und wegbrechen. Die Standfestigkeit ist vor allem bei trockenen, strohreichen Misten gefährdet, insbesondere, wenn durch trockene Witterung (anhaltender Frost) lange Zeit kein Niederschlag den Mist befeuchtet.

Man legt Bretter als Holzdeckel oben auf die Stapel, um Wärme- und Wasserverluste zu verhindern. Am nächsten Tag wird der Stapel neben den Brettern weiter gestapelt. Durch Schrägschichtung gelingt ein nahtloser Übergang. Gewünscht ist, dass sich die einzelnen Tagesstapel in 4 Tagen auf ca. 50 – 55 °C erhitzen. Ist das der Fall, wird die im lockeren Mist vorhandene Luft entfernt und die weitere oder längere Erhitzung damit gezielt unterbunden. Der betreffende Tagesstapel wird dazu sofort festgetreten, bis der Mist unter den Sohlen nicht mehr nachgibt. Über den Nachzug von Luft können die Temperatur und die Vorgänge in den Stapeln gezielt gesteuert werden.

Mit einem Stabthermometer wird kontrolliert, dass die Temperatur möglichst nicht über 55 °C, max. 60 °C steigt. Die Temperatur soll danach langsam auf niedrigere Temperaturen absinken. Ein zu schnelles Absinken zeigt einen ungünstigen Rotteverlauf an. Zudem werden Unkrautsamen nicht sicher vernichtet. Kühlung erzielt man durch Bewässerung (Wasser oder Jauche). Erwärmung entsteht dagegen durch Luftzufuhr. Das kann z.B. durch einen zu hohen Strohanteil im Mist geschehen. Stroh kann ein Auspressen der Luft verhindern. Andererseits kann zu starker Luftmangel dazu führen, dass die Huminstoffe nicht durch Sauerstoff oxidiert werden. Es fehlt dann die schwarz-braune Färbung. Stattdessen sehen die frisch angeschnittenen Stapelmiste gelbgrün aus und dunkeln innerhalb weniger Minuten an Luft nach. Solche Stapelmiste haben nicht die Eigenschaften, die korrekt bereiteter Edelmist aufweist.

 

So sieht gut gerotteter Mist aus.


 

 

 

Auf den festgetretenen Stapel kann nun erneut Frischmist locker aufgeschichtet werden, bis die endgültige Höhe von bis zu 4,5 m erreicht ist. Der fertige Stapel wird mit ca. 20 cm Erde abgedeckt, notfalls auch mit Strohballen. Der nächste Stapel wird nahtlos an den ersten gesetzt. Dazu wird die alte Außenwand des ersten Stapels mit Jauche befeuchtet und beide Stapelkanten werden ohne Luftspalt zusammengetreten.

Etwas weniger arbeitsaufwändig ist Stapelmist (abgeleitet aus der Edelmistbereitung). Dieses Verfahren verzichtet auf die Temperaturkontrolle. Der Mist wird sofort festgetreten, die Erwärmung nicht gesteuert. Strohreiche Miste (> 5 kg Stroh täglich pro Großvieh) wie Pferdemist erreichen oft längere Zeit 70 °C. Dadurch sind hohe Nährstoffverluste zu erwarten. Erwünscht ist dagegen eine langsame Reifung bei 30 - 35 °C. Durch besonders starke Verdichtung (Festtreten) versucht man strohreiche Miste an der Erhitzung zu hindern. Die Luft muss aus dem Stroh gepresst werden, damit die sauerstoffliebenden Bakterien an ihrer Aktivität gehindert werden. Im Gegensatz dazu müssen stroharme Miste (< 2 – 3 kg Stroh täglich pro Großvieh) mit viel Dung sehr gut aufgeschüttelt werden, damit sie wenigstens 30- 35 °C erreichen. Werden keine 30 °C erreicht, dann spricht man von Kaltmisten. Sie zersetzen sich nur langsam. Ihre Nährstoffverluste sind gering, aber die Humusbildung kann unzureichend sein. Gut gelungener Stapelmist wirkt etwas weniger stark düngend als Tiefstallmist.

Fast völlig unbekannt ist heute der Mehrungsmist. Überall dort, wo Pferdehalter nach Alternativen zur organischen Düngung ihrer Flächen suchen, könnte Mehrungsmist interessant sein. Mehrungsmist entsteht durch die Verwendung von Stroh, das unmittelbar zu Wirtschaftsdünger verarbeitet wird - ohne den Weg über das Tier (siehe beispielsweise https://de.wikipedia.org/wiki/Florus_Kertscher ). Das Stroh wird anteilig dem Mist beigemengt (VerMehrung des Mistes, daher der Name) oder als alleiniges Substrat verwendet. Dazu wird das Stroh mit Wasser oder Jauche gut befeuchtet und der langsamen Rotte zu Strohkompost überlassen. Statt illegal wilde Stroh- und Heu-Friedhöfe aus verdorbenen Ballen in der Landschaft anzulegen, könnte hier wertvoller Humusdünger gewonnen werden. Selbstverständlich sind die Bänder und besonders die Netze für die Kompostierung zu entfernen. Die nicht verrottenden Netze werden sehr leicht zu tödlichen Fallen für wilde Tiere! Das früher übliche, gefettete Sachsband aus Sisal verrottete dagegen problemlos.

Die Lagerung von Mist

In Norddeutschland wurden Misthaufen oftmals nicht als lockere, pyramidenförmige Haufen oder als kastenförmige, feste Stapel, sondern flach und waagerecht angelegt (siehe Hofmist „fest & feucht“). Auf diesen Mistflächen ließ man gerne Rinder laufen. Sie traten den lockeren Mist fest, fraßen alles, was noch brauchbar war, und feuchteten zu trockenen Mist an. Wer es besonders gut machen wollte, spannte zwei gekoppelte Ochsen vor eine schwere Walze ohne Deichsel und ließ sie auf dem Mist ihre Runden drehen. Ein überdachtes, größeres Pferdemist-Lager kann so zugleich ein Rinder-Offenstall sein.

Kleine Pferdehaltungen stöhnen oft unter den behördlichen Auflagen zur Mistlagerung. Sie empfinden den Zwang, Mistplatten mit Jauchegruben anzulegen und genehmigen zu lassen, als Drangsalierung und Überregulation. Doch ist es das? Tatsächlich wurden wasserdichte Mistplatten mit einer 25 cm hohen Ummauerung mit angeschlossenen Jauchegruben schon vor hundert Jahren gebaut, ebenso überdachte Mistlager. Die Überdachung bot vor allem Schutz vor Regen und Sonne bei Misthaufen auf der Südseite von Gebäuden. Man achtete darauf, dass die Jauche nicht ins Mistlager zurückstaute und versuchte die Mistplatte möglichst klein zu halten, um kein Regenwasser (Hofwasser) unnötig aufzufangen. Bei dem Mist handelte es sich überwiegend um nassen Rindermist, nicht um trockenen Pferdemist. Bei weniger als 1000 mm Jahresniederschlag überwogen allerdings eher die positiven Effekte durch die Befeuchtung des Mistes. Es traten kaum Nährstoffverluste an den leicht verlagerbaren Nährstoffen Kalium und Stickstoff durch Regenwasser ein, der Mist verrottete jedoch deutlich besser und überhitzte sich nicht. Damals ging es nicht um den Schutz des Trinkwassers, das nicht selten aus dem Brunnen wenige Meter neben dem Misthaufen gefördert wurde. Vielmehr war man besorgt um mögliche Verluste an wertvollem Dünger. Gleichzeitig hatte man die Gefahr von Seuchen für das Vieh erkannt und wollte möglichst hygienisch arbeiten. Mistplatten und Jauchegruben sind also keineswegs neumodische Erfindungen übereifriger Bürokraten!

Neben gemauerten und betonierten Mistplatten war das Ausstampfen mit Ton früher verbreitet. Diese Methode galt als mangelhafter Notbehelf. Tatsächlich haben natürliche Tonmineralien, wie sie in Deutschland oberflächennah anstehen und abgebaut werden, hervorragende Eigenschaften zur Bindung und Abdichtung. Die sogenannten Bentonite aus Bayern und Mecklenburg-Vorpommern finden Verwendung als Giftbindemittel in Tierfutter und in der Medizin, sie dienen als natürliche Materialien zur Anlage von Naturteichen und als Endlagerstätten für Atommüll. Die Bezeichnung „Bentonit“ hat nichts mit Beton zu tun. Es ist die wissenschaftliche Bezeichnung für einen in erdgeschichtlichen Zeiten entstandenen Mineralboden. Hier sind die Dicke der Schicht und die unbedingte Vermeidung von Trockenrissen entscheidend. Ist Pferdemist gefährlicher als Atommüll? Wohl kaum. Allerdings wird Atommüll nicht regelmäßig abgeholt und dabei der Untergrund bis auf den letzten wertvollen Krümel vom Bauern gleich mit als Dünger aufgeladen… Im Gegensatz zur betonierten Mistplatte kann die Tonschicht im Laufe der Jahre abgetragen werden und somit als Abdichtung zu dünn werden.

Die vorübergehende Lagerung reifen Mistes im Freien

Früher brachte man den Mist nach 8 – 10 Wochen Lagerung auf die Flächen, da danach mit Nährstoff- und Masseverlusten (Humus) zu rechnen war. Mist muss oberflächlich bleiben, um die Humusschicht zu nähren. Auf dem Acker den Mist unterzupflügen, ist eine ganz, ganz schlechte Idee. Man kann den Mist untereggen, mehr nicht. Die früher von Pferden gezogenen Pflüge griffen ohnehin nicht annähernd so tief wie heutige Pflüge hinter schweren Schleppern. Die damalige Regel zur Einarbeitung des Mistes in den Acker „je schwerer der Boden, desto flacher“ war auch schlicht praxisnah, da schwere Böden nur mit viel (Pferde-) Kraft tiefer zu pflügen sind. Die schweren Marsch-Böden in Dithmarschen waren beispielsweise nur in einem sehr engen Zeitfenster zu bearbeiten: Erst waren sie zu weich, zu nass und zu schwer und dann plötzlich trocken und betonhart. In der kurzen, zur Bearbeitung geeigneten Zeitspanne wurden vier Holsteiner-Warmblutpferde mit hoher Schrittgeschwindigkeit vor einen einzigen Pflug gespannt.

Der Mist konnte also nicht zu jeder Zeit eingesetzt werden und wurde im Freien zwischengelagert. Dazu suchte man sich einen kreisrunden Platz aus. Der Kreis bietet die geringste Oberfläche und somit die geringsten Verluste durch Regen und Witterung. Da Torf (Humus!) hervorragende Bindeeigenschaften für Jauche und Nährstoffe hat, legte man den Boden zuerst mit Torf aus. Das ist heute natürlich völlig inakzeptabel, da Moore aus gutem Grund unter Schutz stehen: Moore sind bedrohte Biotope, der „Klimakiller“ Kohlenstoff ist ideal in Torf festgelegt. Statt Torf wurden auch altes Stroh und Plaggen als Unterlage verwendet. Auch diese Substrate enthalten viel Humus bzw. werden zu Humus.

Man schichtete darauf den jeweils gebrauchsreifen Mist, verdichtete ihn so gut wie möglich und deckte ihn dann mit mehreren Zentimetern Erde ab. Nach mehreren solchen Schichten Mist und Erde wurde eine 30 – 40 cm dicke Erdschicht um den Haufen gut festgestampft. Dieser Mist soll 6 – 9 Monate ohne wesentliche Veränderungen lagerfähig gewesen sein. Beim Abfahren und Verteilen wurden Erde und Mist intensiv vermengt. Das Erdreich unter dem frei gelagerten Haufen wurde etwa einen Viertel Meter tief ausgehoben und ebenfalls als Dünger verwendet. Die Beimengung von Erde zum Mist zur Bindung von Nährstoffen wurde auch bereits am Hof praktiziert (siehe hierzu Artikel 2 der Humus-Serie). Allerdings waren auch früher schon die Kosten für das Spazierenfahren von Erdreich (zu) hoch. Dabei waren die vielen kleinen Höfe mit ihren vielen kleinen Misthaufen im Vergleich zu den heutigen, gigantischen Kompostanlagen mit ihren fragwürdigen Humus-Qualitäten äußerst dezentral.

Lebendiger Boden und Selbstdüngeeffekt

Globalisierung und Zentralisierung führen zu extremen Ungleichgewichten. In der Natur kompostiert das abgefallene Blatt dort, wo es hinfällt. Der Wind, der es transportiert und verteilt, kostet keine Energie. Naturböden unter alten Pflanzenbeständen müssen auch nicht mit Zersetzern wie Kompoststartern beimpft werden, sie sind bereits optimal artenreich besiedelt. An Humus verarmte landwirtschaftliche Böden benötigen dagegen mehrere Jahre, um bei Mist-Düngung wieder eine funktionstüchtige Lebensgemeinschaft aufzubauen.

Zuerst kann es zu den unerwünschten Düngeeffekten mit Humusabbau (!) kommen, die schon im ersten Artikel der Humusserie thematisiert wurden: Einige Mikroorganismen werden durch die Düngung stark aktiviert und fangen an, den vorhandenen Humus abzubauen. Teilweise wird der im Mist enthaltene Stickstoff von den Mikroorganismen verbraucht, bevor die Pflanzenwurzeln davon profitieren können. Frühestens nach etwa fünf Jahren kann man erwarten, dass der Boden sein neues Gleichgewicht unter Mistdüngung gefunden hat. Nach etwa 20 Jahren lässt die düngende Wirkung des Mistes durch den entstandenen, lebendigen Humus auch in solchen Jahren nicht nach, in denen gar kein Mist ausgebracht wird. Der lebendige, stabilisierte Boden kann unter Jahrzehnte lang bestehendem Dauergrünland seinen Selbstdüngeeffekt (siehe Artikel 1 der Serie) wiedererlangen.

Dr. Renate Vanselow, Biologin

 

Dieser Artikel ist Bestandteil unserer Serie über Humus & Mist. Lesen Sie hierzu auch

05.09.2017

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