Kokosfett Teil 4

Kokosfett und die Verdauung

Kokosnuss und KokosölDiabetes, Insulinresistenz, EMS und Cushing – Kokosfett nimmt positiven Einfluss auf jede dieser Stoffwechselstörungen.

Mittelkettige Fettsäuren (MCT = Medium-chain-Triglyceride) im Kokosfett sind leichtverdaulich und entlasten die Verdauungsorgane (Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse). Ein interessanter Aspekt für Pferde, Hunde und Katzen mit Verdauungsproblemen!

Bedingt durch nicht artgerechte Fütterung leiden hieran wohl unzählige Tiere: Chronische Magen-Darm-Erkrankungen mit Durchfall und Erbrechen, mit Kotwasser oder Kolik (Pferde), Leber- und Gallenprobleme, Pankreas-Insuffizienz (Schwäche der Bauchspeicheldrüse) bis hin zur Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse) sind an der Tagesordnung. Tierärzte und Tierheilpraktiker können davon ein Lied singen.

Energiestoffwechsel

Was macht die MCTs im Kokosfett so rühmenswert?

Die Moleküle der mittelkettigen Fettsäuren sind kleiner als die der langkettigen Fettsäuren (LCT= Long-chain-Triglyceride). Daher erfordert die Aufspaltung der MCTs weniger Enzyme – und spart Energie. MCTs sind überdies, je nach Kettenlänge, relativ gut wasserlöslich. Für die Emulgierung der MCTs im Magen-Darm-Trakt werden keine Gallensalze benötigt, die Fettspaltung mittels Pankreaslipase (Fett spaltendes Enzym der Bauchspeicheldrüse) entfällt. Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse werden deutlich weniger belastet als bei der Verdauung und Resorption von LCTs, die konzentriert in Pflanzenölen vorkommen!

Deshalb spricht einiges dafür, der Tiernahrung, insbesondere dem Pferdefutter, Kokosöl anstelle anderer Pflanzenöle zuzugeben. Pferde besitzen bekanntlich keine Gallenblase, können Gallensäuren daher nicht speichern. Von der Leber produzierte Gallensäuren werden stattdessen kontinuierlich in den Darm abgegeben. An größere Fettmengen in ihrer Nahrung sind Pferde nicht adaptiert. Wenn Fettzusatz, dann leicht verdauliches, gesundheitsförderndes Fett, z. B. Kokosöl.

Fettlösliche Vitamine werden in Anwesenheit mittelkettiger Fettsäuren effektiver verdaut und resorbiert als in „Zusammenarbeit“ mit langkettigen Fettsäuren (s. Manuel-y-Keenoy 2002). Nährstoffe im Allgemeinen werden durch MCTs aus Kokosöl besser über den Darm aufgenommen (s. Jeppesen 1998).

Mittelkettige Fettsäuren im Kokosöl haben weitere Stoffwechsel-„Pluspunkte“:

Kokos-Fettsäuren gelangen ohne die Hilfe von Transportproteinen durch die Zellmembranen von Mitochondrien. In diesen „Kraftwerken“ werden die Fettsäuren oxidiert, d. h. verbrannt, und liefern dem Körper auf schnellem Wege die benötigte Energie.

Anders die LCTs: Sie sind angewiesen auf L-Carnitin (Dipeptid aus 2 Aminosäuren) als Transportmolekül durch die Mitochondrienmembranen. Die Energieproduktion verläuft deutlich langsamer als bei MCTs. Diesen Vorteil machen sich Sportler zunutze. Auch Pferde und Hunde, denen sportliche Leistungen abverlangt werden, können aus diesem Grund von Kokosfett in ihrer Nahrung profitieren.

Insulinstoffwechsel

MCTs in Kokosfett beeinflussen nicht nur den Energiestoffwechsel günstig. Auch der Insulinhaushalt wird positiv unterstützt.

Denn erstens wird für den Transport der MCTs durch die Zellmembran hindurch in die Zellen kein Insulin benötigt. LCTs aus anderen Pflanzenölen sind dagegen auf Insulin als Transportmittel angewiesen, um in die jeweiligen Zellen zu gelangen. Ein entscheidender Vorteil bei der Unterstützung an EMS oder Cushing erkrankter Pferde bzw. an Diabetes erkrankter Hunde und Katzen: Die Entlastung der Bauchspeicheldrüse könnte einer Insulinresistenz dieser Tiere entgegenwirken.

Zweitens sind im Zusammenhang von Insulinstoffwechsel und Kokosfett die gesättigten Fettsäuren hervorzuheben.

Industrieller Pferde-, Hunde- und Katzennahrung werden diverse Pflanzenöle beigemischt – meist raffiniert und gehärtet. Sie sollen das Futter „aufwerten“, dienen aber wohl eher als Geschmacksverstärker der Akzeptanz des Futters.

Möglicherweise der Grundstein für ein schwerwiegendes Gesundheitsproblem unserer Haustiere? Pflanzliche Öle enthalten einen relativ hohen Prozentsatz mehrfach ungesättigter Fettsäuren. Diese sind ausgesprochen anfällig für Oxidationsprozesse. Das Resultat: ein hohes Maß von Sauerstoffspezies (freie Radikale! Siehe auch Kokosfett und freie Radikale).

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind Bestandteil aller Zellmembranen und aller Zellorganellen umgebenden Membranen. Oxidierte Fettsäuren in den Zellmembranen führen zu Störungen des gesamten Stoffwechsels – z. B. zu Blockaden der Insulin-Signalübertragung!

Oxidativer Stress, beispielsweise hervorgerufen durch Diabetes bzw. durch dessen Vorstufen, aktiviert das sogenannte RAA (Renin-Angiotensin-Aldosteron)-System. Dieses System ist ein Regelkreislauf zur Steuerung des Salz- und Wasserhaushaltes im Körper. Es beeinflusst des weiteren den Insulinstoffwechsel – denn die Aktivierung des RAAS verstärkt die Bildung freier Radikale. Angiotensin II und Aldosteron stimulieren ein Enzym in der Zellmembran, die NADPH-Oxidase. Und dieses Enzym leitet weitere Oxidationsvorgänge ein. Oxidativer Stress wiederum aktiviert ein weiteres entscheidendes Enzym, die sogenannte Kinase, die für die Hemmung der Insulin-Signalübertragung verantwortlich ist. Ein verschachtelter Stoffwechselweg …

Überernährung, Überfütterung oder auch Übergewicht der Tiere führen zu hohen Konzentrationen von Aminosäuren, überschüssiger Glucose und frei zirkulierenden Fettsäuren im Körper. Dieser Nährstoffüberschuss ist offenbar vergleichbar mit der Wirkung von oxidativem Stress – er stimuliert besagte Kinase und blockiert dadurch den Insulinstoffwechsel!

Ein klares Plädoyer für Kokosfett

Von EMS bzw. Cushing betroffene Pferde, an Diabetes erkrankte Hunde und Katzen und alle unter Übergewicht leidenden Tiere könnten im Hinblick auf ihren gestörten Stoffwechsel Entlastung erfahren – durch Kokosfett.

Kokosöl mit seinem außerordentlich hohen Anteil gesättigter und somit chemisch stabiler Fettsäuren wirkt wie ein Antioxidanz: Es schützt die ungesättigten, instabilen Fettsäuren im Organismus vor Oxidation. Damit verhindert Kokosöl, dass diese ranzig werden und dadurch massive Schäden auf Zell-, Gewebs- und Organebene anrichten können. Gerade ältere Pferde, Hunde oder Katzen, deren Verdauungsorgane bereits stärker belastet bzw. geschädigt sind, könnten großen Nutzen aus der Aufwertung ihrer Nahrung mit Kokosfett ziehen.

Selbstverständlich unter der Voraussetzung einer artgerechten Fütterung …

Dr. Frauke Garbers, Biologin

Dieser Artikel gehört zu unserer Serie über Kokosfett

Teil 1 - Neue Serie
Teil 2 - Freie Radikale
Teil 3 - Kokosfett für die Haut
Teil 4 - Kokosfett und die Verdauung
Teil 5 - Kokosöl und Parasiten

Quellen


Manuel-y-Keenoy, B. et al (2002): Effects of intravenous supplement with alpha-tocopherol in patients receiving total parenteral nutrition containing medium- and long chain triglycerids. European Journal of Clinical Nutrition, 56 (2): 121-128

Jeppesen, P.B. et al (1998): The influence of a preserved colon on the absorption of  medium chain fat in patients with small bowel resection. Gut, 43 (4): 478-483

Fife, B. (2014): Kokosöl. Das Geheimnis gesunder Zellen. KOPP-Verlag, Rottenburg

05.09.2017

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